Aussichtslosigkeit ist nicht Wahrheit über unsere Zukunft.
Eine Beziehung zerbricht. Ein Mensch geht. Wir verlieren unsere Arbeit. Eine Tür schließt sich, von der wir glaubten, sie müsse offen bleiben. Oder wir stehen einfach an einem Punkt und wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll.
Wir nennen das Aussichtslosigkeit.
Doch vielleicht bedeutet Aussichtslosigkeit etwas anderes: Wir können von unserem jetzigen Standpunkt aus die nächste Möglichkeit noch nicht sehen.
Denn eines wissen wir eigentlich längst: Nichts bleibt, wie es ist.
Freunde kommen und gehen. Kinder wachsen heran und werden selbstständig. Arbeitsplätze verändern sich. Beziehungen verändern sich. Menschen verändern sich. Wir selbst verändern uns.
Das Leben ist Bewegung. Alles Lebendige befindet sich in Veränderung. Erst wenn etwas vollkommen aufgehört hat, sich zu verändern, ist es tot. Und trotzdem gibt es eine Stimme in uns, die sich genau danach sehnt: dass endlich alles bleibt, wie es ist.
Unser Ego liebt das Berechenbare. Wenn alles seinen Platz hat, wenn wir wissen, was morgen passiert, wenn die Menschen um uns herum so reagieren, wie wir es erwarten, entsteht für einen kurzen Moment das Gefühl von Sicherheit. Wir nennen es vielleicht Frieden. Doch oft ist es nur Kontrolle. Eine kleine Scheinwelt, die wir errichten, damit wir für einen Moment vergessen können, dass sich draußen längst alles weiterbewegt.
Wirklicher Frieden beginnt an einem anderen Punkt. Er beginnt dort, wo sich die Welt verändern darf, ohne dass in uns jedes Mal eine Welt zusammenbricht.
Dafür dürfen wir hinschauen, warum Veränderung uns überhaupt solche Angst macht. Denn oft fürchten wir weniger das, was gerade geschieht. Wir fürchten das Gefühl, das dadurch in uns wieder auftaucht. Den alten Verlust. Das Verlassenwerden. Die Ohnmacht. Die Unsicherheit. Den Schmerz von damals.
Und genau deshalb versuchen wir zu kontrollieren.
Je mehr wir diese alten Verletzungen anschauen und annehmen, desto weniger müssen wir unser heutiges Leben so organisieren, dass wir ihnen niemals wieder begegnen.
Dann fällt Kontrolle Stück für Stück weg.
Urteile werden weniger. Angst verliert an Macht. Und wir leben ein wenig mehr dort, wo unser Leben tatsächlich stattfindet: im Hier und Jetzt.
Vielleicht beginnen wir dann auch zu begreifen, dass das Leben nicht ständig gegen uns arbeitet. Vielleicht spielt es uns immer wieder Situationen zu, in denen wir erkennen können, wo wir noch festhalten. Wo wir noch Angst haben. Wo wir noch versuchen, etwas zu bewahren, das längst in Bewegung geraten ist. Und manchmal sieht dieser Weg verdammt aussichtslos aus. Doch Aussichtslosigkeit ist keine Wahrheit über unsere Zukunft.
Sie beschreibt lediglich den Ort, an dem wir gerade stehen. Wir sehen den nächsten Weg noch nicht. Mehr bedeutet sie nicht. Denn auch dieser Moment wird sich verändern. Auch dieses Gefühl wird sich verändern. Auch diese Lebensphase wird irgendwann eine andere sein. Nichts bleibt, wie es ist. Und vielleicht liegt genau darin etwas unglaublich Tröstliches.
Wir müssen nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve liegt. Wir dürfen lernen, dem Leben wieder ein Stück weit zu vertrauen. Und irgendwann verstehen wir:
Das Leben verlangt nicht von uns, alles unter Kontrolle zu haben. Es lädt uns ein, wieder Teil seines Flusses zu werden.






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