Wenn Erwartung Nähe kontrolliert
- Tom & Alex

- vor 21 Stunden
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In der Partnerschaft zeigt sich innerer Mangel oft als Erwartung. Manchmal still, manchmal laut. Selten klar ausgesprochen. Es ist die Hoffnung, dass der andere etwas ausgleicht, beruhigt oder heilt, was in uns selbst unruhig ist. Diese Erwartung sucht selten das Gespräch. Sie sucht Sicherheit.
So beginnt sie, sich indirekt zu zeigen. In Kontrolle. In Anpassungsforderungen. In subtilen oder offenen Versuchen, den anderen zu verändern. Es ist nicht Macht die entgegenkommt, sondern Angst. Aus dem Wunsch heraus, dass das eigene Innere endlich ruhiger wird.
Das Gegenüber spürt diesen Zug, und reagiert darauf. Mit Rückzug, mit innerer Distanz, mit dem Bedürfnis nach Autonomie. Niemand lässt sich gerne tragen für etwas, das nicht aus ihm selbst entstanden ist. So entsteht ein bekanntes Spannungsfeld. Nähe wird gesucht und gleichzeitig untergraben.
Meist geschieht dies auf beiden Seiten. Denn wir treten selten unbelastet in Beziehungen. Jeder bringt seinen Rucksack mit. Alte Verletzungen. Unerfüllte Bedürfnisse. Ungelernte Formen von Nähe. Zwei Menschen treffen sich mit dem Wunsch nach Verbindung und geraten in ein Spiel aus Erwartung und Entzug.
Die Wende beginnt dort, wo Verantwortung übernommen wird. Für die eigenen Gefühle. Für die eigenen Erwartungen. Für den inneren Mangel, der nicht länger dem anderen übergeben wird. In diesem Moment fällt eine unsichtbare Last vom Gegenüber ab. Der andere muss nichts mehr ausgleichen. Nichts mehr tragen. Nichts mehr halten, was ihm nicht gehört.
Diese Bewegung wirkt befreiend. Für beide.
Gleichzeitig entsteht etwas Wesentliches. Die Opferrolle löst sich. Wer Verantwortung übernimmt, wartet nicht mehr auf Rettung. Er begegnet sich selbst. Und spricht von dort aus. Klarer. Wahrhaftiger. Berührbarer.
So entsteht Raum. In uns selbst. In der Beziehung. Und im Leben. Raum für echte Nähe. Raum für Begegnung ohne Kontrolle. Raum für Verbindung, die aus Freiheit wächst.







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