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Die stille des Seins

Wenn es still wird, halten viele von uns das kaum aus. Die Stille ist nicht leer, sie einfach nichts mehr an, woran sich das Ego festhalten kann. In der Stille gibt es keine Rolle, keine Aufgabe, kein Problem, das gelöst werden muss. Und genau hier beginnt das Ego, kreativ zu werden.

Es erfindet Probleme. Nicht weil es bösartig ist, sondern weil es Angst vor Bedeutungslosigkeit hat. Sobald kein innerer Lärm mehr da ist, erschafft es neue Geschichten, meist dort, wo es am wirkungsvollsten ist: bei den Menschen, die uns nah sind. Ein falscher Ton, ein Blick, ein Satz, und schon sind wir verstrickt. Wochen später fragen wir uns manchmal ehrlich: Worum ging es in diesem Konflikt eigentlich? Diese Leere im Rückblick ist ein sicheres Zeichen dafür, dass das Problem nicht entdeckt, sondern produziert wurde.

Aus der Perspektive des Kurses in Wundern ist das logisch. Das Ego kann Stille nicht unterscheiden von Bedrohung. Wo nichts ist, was es kontrollieren oder interpretieren kann, fühlt es sich ausgelöscht. Also lieber ein Konflikt als kein Selbstbild.

Doch Stillwerden bedeutet nicht Rückzug. Es ist eine Hinwendung. Eine sanfte Bewegung nach innen, in der wir beginnen, uns selbst zu belauschen. Wir hören auf zu analysieren, wir bewerten nicht, sondern lauschend. In diesem Lauschen entsteht wieder Kontakt. Und aus Kontakt wächst Klarheit.

Oft zeigt sich dann etwas, dem wir lieber aus dem Weg gehen würden. Vielleicht steht gerade Öffnung an. Vielleicht Nähe. Vielleicht ein Schritt, der das Herz wieder vor den Verstand stellt. Genau hier meldet sich das Ego mit erstaunlicher Überzeugungskraft: mit guten Gründen, mit alten Erfahrungen, mit Warnungen vor Verletzung. Es will uns glauben machen, dass Schutz gleich Sicherheit ist.

Doch Sicherheit entsteht nicht durch Verschließen, sondern durch Beziehung und Intimität. Nicht durch Hergeben, sondern durch Hingabe. Hingabe heißt nicht, sich aufzugeben, es heisst viel mehr in Beziehung zu gehen: mit Menschen, mit Konflikten, mit dem, was gerade da ist. Sobald wir aufhören, Themen zu vermeiden, verlieren sie ihre Schärfe. Probleme lösen sich nicht, weil wir sie bekämpfen, sondern weil wir ihnen nicht mehr ausweichen.

In dieser Bewegung kehren wir an unseren Platz zurück. Dorthin, wo wir nicht kämpfen müssen, um ganz zu sein. Dorthin, wo Stärke nicht aus Kontrolle entsteht, sondern aus Präsenz. Wenn wir still genug werden, hören wir wieder, was das Leben von uns will, nicht gestern, nicht morgen, nicht irgendwann, sondern genau jetzt. Und oft ist es weniger, als wir dachten. Manchmal ist es einfach nur der Mut, das Herz wieder zu öffnen.


 
 
 

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