Vom Jammertal
- Tom & Alex

- vor 2 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Manchmal finden wir uns im Jammertal wieder, ohne genau zu wissen, wann wir diesen Ort betreten haben. Es geschieht leise. Kein dramatischer Umbruch, kein lauter Bruch. Eher ein inneres Absinken. Ein Sich-Verlieren in Gedanken, in Geschichten, in einem Gefühl von „So sollte es nicht sein“.
Das Jammertal ist kein Ort des reinen Schmerzes. Es ist ein Zustand des Widerstands. Ein inneres Nein zur Gegenwart. Wir halten fest an Bildern, an Vorstellungen, an Erwartungen wie das Leben aussehen müsste, wie wir sein müssten, wie andere sich verhalten sollten. Diese Bilder stammen selten aus dem Jetzt. Sie kommen aus der Vergangenheit. Aus dem, was einmal war, oder aus dem, was wir uns damals versprochen haben. Und während wir diese Bilder verteidigen, verpassen wir den Moment, in dem wir leben.
Auf einer tieferen Ebene erfüllt das Jammertal noch eine andere Funktion. Es wird zu einem Versteck. Die Umstände werden zur Rechtfertigung für Rückzug. Für Stillstand. Für das Verlassen unseres Platzes im Leben. Wir sagen uns: So kann ich nicht handeln. So kann ich nicht fühlen. So kann ich nicht geben. Und unmerklich tauschen wir unsere Kraft gegen Leid. Unsere Inspiration gegen Rückzug. Unser Lebensglück gegen eine vertraute Enge.
Das Paradoxe ist: Das Jammertal fühlt sich sicher an. Leid ist berechenbar. Rückzug schützt. Doch der Preis ist hoch: Wir verlassen unsere innere Mitte. Wir geben unsere Wirksamkeit ab. Wir machen uns klein, obwohl das Leben uns gerade ruft.
Der Weg hinaus beginnt nicht mit Kampf. Nicht mit Optimismus. Nicht mit einem neuen Ziel.
Er beginnt mit Akzeptanz.
Akzeptanz bedeutet nicht, etwas gutzuheißen. Sie bedeutet, anzuerkennen, dass dies jetzt da ist. Dass das Leben uns genau diese Situation gegeben hat – nicht um uns zu bestrafen, sondern vielleicht ist es eine Einladung.
In dem Moment, in dem wir aufhören, innerlich zu diskutieren, werden wir wieder handlungsfähig. Wir treten zurück in unser Leben. Wir nehmen unseren Platz wieder ein.
Hingabe an den Moment heißt, das kleine Nest zu verlassen, in dem wir uns eingerichtet haben, aus Angst, aus Enttäuschung, aus Müdigkeit. Hingabe heißt, wieder teilzunehmen. In voller Anwesenheit.
Und mit dieser Hingabe verändert sich etwas Grundlegendes: unsere Wahrnehmung. Der Blick wird weiter. Der Atem tiefer. Das Leben größer als unsere Geschichte darüber.
Wir erkennen: Kraft war nie verloren. Sie war nur zurückgezogen. Wartend darauf, dass wir Ja sagen, ja zu dem, was ist.







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