Wie wir abstumpfen – und was uns wieder lebendig macht
- Tom & Alex

- 6. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Mit jedem Jahr, das wir auf dieser Erde verbringen, sammeln wir Erfahrungen, kostbare wie schmerzhafte. Doch so oft schleichen sich mit der Zeit auch ein leiser Zynismus, eine Ironie, eine gewisse Rebellion gegen das Leben selbst ein. Wir ziehen uns zurück, schützen uns vor weiteren Enttäuschungen, vor noch mehr Schmerz. Und manchmal bemerken wir gar nicht, wie sehr wir abgestumpft sind. Der Grund dafür liegt tief verborgen in den Schuldgefühlen, die wir unbewusst oder bewusst über die Jahre angehäuft haben. Schuld über Beziehungen, die auseinandergegangen sind, Freundschaften, die sich im Lauf der Jahre verloren haben, manchmal leise, manchmal abrupt wie ein plötzlicher Schnitt. Verluste, die wir nie ganz verdaut haben. Der Tod von geliebten Menschen, der unsere Welt erschüttert hat.
Jede dieser Trennungen hinterlässt eine Leere, ein Loch, das uns auffordert, es zu füllen. Oft füllen wir es mit Schuld: Was wäre gewesen, wenn…? Hätte ich doch nur… Warum habe ich nicht…? Und mit jeder Trennung bleibt auch ein Teil von uns selbst auf der Strecke. Vielleicht war der Partner, der gegangen ist, unsere Hoffnung, die mit ihm verschwunden ist. Vielleicht war der Freund unser Fels in der Brandung, doch jetzt ist er nur noch Sand, der zwischen unseren Fingern zerrinnt und keine Brandung mehr hält. Vielleicht haben wir uns einen Panzer zugelegt, und uns soweit über alle anderen gestellt, dass uns nichts mehr erreicht. Vielleicht war unsere erste Liebe ein Symbol für Unschuld und Reinheit, etwas, das wir jetzt nicht mehr in unser Leben einordnen können.
So stumpfen wir ab. Wir sagen, das ist doch nur was für Idealisten, für Träumer. Ich weiß es besser: Das Leben ist hart. Doch in Wahrheit haben wir nur Teile von uns selbst abgespalten, weil wir glaubten, sie wären zu schwach oder zu verletzlich für diese Welt. Diese Teile aber sind es, die uns lebendig machen. Wenn wir wieder Zugang zu diesen verlorenen Anteilen finden, wenn wir sie wieder integrieren, dann geschieht etwas Magisches: Das Leben beginnt wieder zu leuchten. Die grauen Schleier der Resignation lichten sich, und wir entdecken wieder, wie lebendig wir sein können. Wenn wir wieder an uns selbst glauben, wenn wir uns wieder wichtig nehmen, dann kommen wir wieder bei uns an. Wir erkennen: Der Rückzug ist keine Lösung, sondern nur eine Flucht vor dem Leben. Es ist eine Reise zurück zu uns selbst, zu der Kraft, die wir verloren glaubten. Es ist die Rückkehr zu den Träumen, die wir zu früh begraben haben. Es ist die Heimkehr zu dem Kind, das noch an Wunder glaubt. Und wenn wir unsere verlorenen Teile wiederfinden und liebevoll aufnehmen, dann holen wir uns auch das Bunte zurück, das wir mit ihnen aus unserem Leben verbannt haben. Dann wird das Leben wieder zu einem Abenteuer, zu einem Tanz, zu einem Kunstwerk, und wir selbst werden wieder zu Künstlern unseres Lebens.







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