Was du vermeidest, beginnt dein Leben zu formen
- Tom & Alex

- vor 2 Tagen
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Manchmal wachen wir auf und bemerken: Wir sind umgeben von Chaos. Oder vielleicht bemerken wir, dass wir beginnen, Chaos in unser Leben einzuladen. Oder mehr noch, wir produzieren es selbst, ohne es zu merken. Plötzlich entsteht der Eindruck, dass von allen Seiten Probleme auf uns zukommen. Sogar aus Ecken, die wir immer als sicher betrachtet haben. Dinge geraten ins Wanken, Beziehungen verändern sich, Situationen kippen. Und in uns wächst dieses Gefühl, als hätte sich die ganze Welt gegen uns verschworen. Wir fühlen uns überfordert. Wir fühlen uns ungerecht behandelt vom Leben. Und Fragen tauchen auf, die sich schwer anfühlen: Wieso ich? Warum passiert mir das? Was mache ich falsch?
Doch wenn wir für einen Moment innehalten…wirklich still werden…und uns selbst begegnen… Dann öffnet sich ein anderer Raum.
Ein Raum, in dem wir beginnen können, uns ehrlich zu fragen: Was möchte ich gerade im Leben vermeiden? Welcher Schritt steht an, den ich nicht gehen will? Wo möchte ich mich gerade nicht zeigen? Welche Entscheidung, die längst da ist, versuche ich noch hinauszuzögern?
Und wenn wir noch eine Ebene tiefer gehen, wird es stiller und zugleich klarer: Welches Gefühl versuche ich gerade zu vermeiden?
Dort liegt oft der Ursprung. Denn dieses Gefühl ist selten neu. Es hat eine Geschichte. Irgendwann in unserem Leben war es schon einmal da, vielleicht zu intensiv, zu schmerzhaft, zu viel. Und in diesem Moment haben wir eine Entscheidung getroffen: Dieses Gefühl soll keinen Platz mehr haben. Wir haben es abgespalten, tief vergraben. Und begonnen, unser Leben so zu gestalten, dass wir ihm nicht mehr begegnen müssen.
Mit Kontrolle. Mit Anstrengung. Mit dem Versuch, alles im Griff zu behalten.
Doch genau hier beginnt das, was wir als Chaos erleben.
Denn das, was wir vermeiden, verschwindet nicht. Es wirkt weiter, im Verborgenen. Und es formt Situationen, Begegnungen und Umstände, die uns genau dorthin zurückführen.
Nicht weil das Leben und bestrafen will, sondern als Einladung.
In dem Moment, in dem wir bereit sind, uns diesem Gefühl zuzuwenden, geschieht etwas Entscheidendes. Wenn wir aufhören zu flüchten…wenn wir beginnen zu fühlen…wenn wir erlauben, dass das, was wir abgespalten haben, wieder da sein darf…
Dann verändert sich etwas. Mit der Integration kommt Klarheit. Und mit der Klarheit beginnt sich auch das Außen zu ordnen. Das Chaos verliert seine Kraft. Und wir erkennen: Diese Emotion, vor der wir so lange Angst hatten, schwächt uns nicht. Sie trägt etwas in sich, das uns gefehlt hat. Denn mit der abgespaltenen Emotion haben wir oft auch anderes abgespalten: unseren Selbstwert, unser Vertrauen, unsere Fähigkeit zu lieben.
Wenn wir das Gefühl wieder zulassen, kehren auch diese Anteile zurück.
Und plötzlich entsteht etwas, das vorher nicht da war: eine tiefe Ruhe. eine spürbare Kraft. ein Gefühl von Ganzheit. Dort, wo Chaos war, entsteht Raum. Dort, wo Überforderung war, entsteht Klarheit. Und vielleicht wird in diesem Moment sichtbar: Das Chaos war kein Zufall.
Es war ein Weg zurück. Zurück zu dem Teil in uns, der darauf gewartet hat, wieder gefühlt zu werden.




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