Der Pertner ist kein Reparaturdienst
- Tom & Alex

- 27. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wir alle kommen mit leere Seiten in diese Welt. Schon in unserer frühen Kindheit beginnt sich ein inneres Buch zu füllen, nicht mit Worten, sondern mit Empfindungen. Die ersten Kapitel schreiben sich durch das, was wir erfahren: Liebe oder Ablehnung, Nähe oder Distanz, Sicherheit oder Unsicherheit. Und je nachdem, wie unsere Ursprungsfamilie geprägt war, entstehen daraus bestimmte Überlebensstrategien.
Manche von uns lernten, den Frieden zu wahren, indem sie sich selbst zurückstellten. Andere zogen sich innerlich zurück, weil das Außen zu laut, zu chaotisch oder zu verwirrend war. Wieder andere rebellierten, nicht weil sie schwierig waren, sondern weil sie nicht einverstanden waren mit dem, was sie spürten, Unrecht, Kälte, Lieblosigkeit.
Diese Strategien haben uns einst gerettet. Sie haben uns geholfen, seelisch zu überleben. Und weil sie so wichtig waren, haben wir sie tief abgespeichert, zusammen mit der Angst, der Ohnmacht oder der Schuld, die sie einst hervorgebracht haben.
Doch wir tragen diese alten Muster nicht nur in uns. Wir bringen sie mit, in unsere Gegenwart, in unsere Arbeit, in unsere Familien. Und vor allem in unsere Partnerschaft.
Unser Partner wird damit unweigerlich zur Projektionsfläche unseres ungelösten Schmerzes. Wir werfen ihm, meist unbewusst, genau das vor, was uns einst gefehlt hat. Und er oder sie tut dasselbe mit uns. Zwei verletzte Kinder in erwachsenen Körpern, die sich gegenseitig ihre unerfüllten Bedürfnisse vorhalten in der Hoffnung, endlich gehört zu werden.
Wenn wir uns nach mehr Nähe sehnen, liegt darin oft verborgen, dass wir selbst irgendwann aufgehört haben, Nähe zu geben, aus Angst, wieder verletzt zu werden. Wenn wir Freiheit fordern, kann es sein, dass wir uns selbst in starren Strukturen gefangen halten, weil wir glauben, nur so sicher zu sein. Wenn wir uns wünschen, der andere wäre ernster, zuverlässiger oder verantwortungsvoller, dann haben wir vielleicht selbst früh beschlossen, dass nur ein angepasstes Verhalten uns Anerkennung bringt.
Diese verborgenen Wünsche, Forderungen und Erwartungen sind der eigentliche Ort des Machtkampfs in Beziehungen. Nicht das, was gesagt wird, sondern das, was gefühlt wird, ohne benannt zu werden. Nicht der Streit über Alltagsdinge, sondern das leise Ringen um Anerkennung und Bestätigung alter Lebenskonzepte.
Doch es gibt einen Ausweg.
Wenn wir den Mut finden, unsere Projektionen zurückzunehmen und uns unseren alten Wunden zuzuwenden, geschieht Heilung. Wir erkennen, dass unser Partner nicht dafür da ist, unsere unerfüllten Sehnsüchte zu stillen. Er oder sie ist nicht verantwortlich für unser inneres Gleichgewicht. Diese Verantwortung liegt bei uns selbst.
Und wenn wir sie annehmen, verändert sich alles. Der Machtkampf endet. Die Erwartungen verlieren ihre Schärfe. Was bleibt, ist der Mensch vor uns, einzigartig, unperfekt und echt.Frei, einfach er selbst zu sein. Und wir dürfen das auch.
So wird Beziehung nicht mehr zum Spielfeld unserer alten Strategien, sondern zu einem Ort echter Begegnung. Und das Leben wird leichter, klarer und sehr viel liebevoller.







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