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Phantasievorstellungen als Flucht

In den Tiefen unseres Inneren liegt die unermüdliche Kraft der Fantasie, ein kostbares Geschenk, das uns ermutigt, über das Alltägliche hinauszudenken. Doch diese Gabe birgt auch eine Gefahr: Sie kann uns in eine Traumwelt führen, die weit von der Realität entfernt ist, eine Illusion, die uns letztendlich immer wieder enttäuscht zurücklässt. Diese imaginären Welten, die wir uns so kunstvoll ausmalen, sind oft Ausdruck unserer tiefsten Sehnsüchte und Ängste. Wir erschaffen sie, weil sie uns Schutz bieten und eine scheinbare Sicherheit verleihen, die in der realen Welt, so scheint es, schwer zu finden ist.

Warum aber flüchten wir uns in diese Traumwelten? Oftmals sind es versteckte Motive, die uns antreiben. Eine häufige treibende Kraft ist der Wunsch nach Rechtfertigung. Wenn unsere Phantasien scheitern, bestätigen sie unsere innersten Überzeugungen: "Ich wusste doch, dass es so kommt." Diese Enttäuschung gibt uns das trügerische Gefühl, im Recht zu sein und das Leben verstanden zu haben. Es bewahrt uns vor dem Risiko, uns wirklich zu engagieren, vor der Unsicherheit, die mit echten Beziehungen und Erlebnissen einhergeht.

Ein weiteres Motiv ist das Bedürfnis nach Unabhängigkeit. Unsere Fantasien erlauben es uns, ungebunden zu bleiben, uns nicht involvieren zu müssen. Diese Unabhängigkeit jedoch ist eine Fessel, die uns in Isolation hält. Sie verhindert wahre Nähe und echte Verbindungen, die uns menschlich bereichern und erfüllen können.

Doch es gibt Wege, diese Fesseln zu lösen und uns von den trügerischen Träumen zu befreien. Humor und Ermächtigung sind kraftvolle Werkzeuge auf diesem Weg. Humor erlaubt uns, die Absurdität unserer überzogenen Vorstellungen zu erkennen und sie mit einem Lächeln loszulassen. Humor erdet uns in der Realität, ohne uns dabei zu beschweren. Ermächtigung hingegen bedeutet, unser Leben in die Hand zu nehmen und unsere inneren Stärken zu erkennen. Sie befähigt uns, über unsere sehnsüchtigen Träume hinauszublicken und mutig die wahren Herausforderungen des Lebens anzunehmen.

In der Akzeptanz der Realität, wie sie ist, und im Mut, uns den echten Begegnungen des Lebens zu stellen, finden wir das wahre Glück. Diese authentische Verbindung zu anderen und zu uns selbst ist das, was uns wirklich beflügelt. Es ist die wahre Liebe und das tiefe Verständnis, das uns erfüllt und uns zeigt, dass die Welt, in der wir leben, reich und voller Wunder ist – weit jenseits der Illusionen, die wir einst für die Realität hielten.


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